Holz-Ratgeber · Sägewerk Lettl, Viechtach · Lesezeit ca. 8 Minuten
Auf dem Lieferschein steht „S10 / C24″, auf dem Balken ein Stempel, und im Baumarkt liegt Holz mit Buchstaben-Zahlen-Kombinationen im Regal: Sortierklassen bei Bauholz wirken auf den ersten Blick wie reine Normen-Bürokratie. Dahinter steckt aber eine sehr praktische Frage: Wie viel darf dieses Stück Holz tragen – und wie gut sieht es dabei aus? Wer die Klassen versteht, kauft passgenauer ein, spart Geld bei Bauteilen, die keine Höchstleistung brauchen, und vermeidet Ärger dort, wo die Statik zählt. In diesem Ratgeber erklären wir Ihnen verständlich, was C24, S10 und die optischen Güteklassen bedeuten, wonach im Sägewerk sortiert wird und welche Klasse Sie für Ihr Vorhaben wirklich brauchen.
Das Wichtigste in Kürze
- Sortierklasse (S7, S10, S13) beschreibt, wie das Holz sortiert wurde – Festigkeitsklasse (C16, C24, C30), was daraus rechnerisch tragen darf.
- Beides gehört zusammen: S10 entspricht C24 – dem Standard im Wohnungsbau und bei KVH.
- Die Zahl hinter dem C ist die charakteristische Biegefestigkeit in N/mm². C24 hält also mehr aus als C16.
- Festigkeit ist nicht gleich Optik: Ein C24-Balken darf durchaus astig sein. Für sichtbare Bauteile zählt zusätzlich die Güteklasse.
- Sortiert wird nach Ästen, Faserneigung, Jahrringbreite, Rissen, Baumkante und Krümmung – visuell am Stück oder maschinell.
Inhalt
- → Sortier- und Festigkeitsklassen auf einen Blick
- → Warum Bauholz überhaupt sortiert wird
- → Was C24 bedeutet – und was nicht
- → Wonach sortiert wird: die Merkmale am Holz
- → Visuell oder maschinell sortiert?
- → Güteklassen: wenn die Optik entscheidet
- → Welche Klasse brauchen Sie wofür?
- → Woran Sie die Klasse am Holz erkennen
- → Sortiert im eigenen Sägewerk
- → Häufige Fragen
Sortier- und Festigkeitsklassen auf einen Blick
Zwei Begriffe werden ständig verwechselt, obwohl sie zwei verschiedene Dinge beschreiben. Die Sortierklasse ist das Ergebnis der Sortierung im Werk: Nadelschnittholz wird nach DIN 4074-1 in die Klassen S7, S10 und S13 eingeteilt – „S“ steht für Sortierklasse, die Zahl für die Tragfähigkeit in aufsteigender Reihenfolge. Die Festigkeitsklasse nach DIN EN 338 ist die europaweit einheitliche Rechengröße, mit der Ihr Statiker arbeitet: C16, C24, C30 und weitere. Jede Sortierklasse wird einer Festigkeitsklasse zugeordnet – deshalb liest man auf Lieferscheinen meist beides in einem Zug, etwa „S10 / C24″.
| Sortierklasse | Festigkeitsklasse | Was das heißt | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| S7 | C16 | Grobe Sortierung, größere Äste zulässig | Untergeordnete, verdeckte Bauteile, Schalung, einfache Nebenbauten |
| S10 | C24 | Der Standard im Holzbau – gutes Verhältnis aus Tragkraft und Verfügbarkeit | Dachstuhl, Sparren, Ständerwerk, Carport, KVH |
| S13 | C30 | Engste Sortierung, astarm und geradfaserig – deutlich seltener | Hoch beanspruchte Träger, Lamellen für Brettschichtholz |
| MS10, MS13 … | C24, C30 … | Dieselben Klassen, aber maschinell statt per Auge ermittelt | Industrielle Fertigung, BSH-Lamellen, große Stückzahlen |
Warum Bauholz überhaupt sortiert wird
Holz ist ein gewachsener Rohstoff, kein industriell hergestelltes Halbzeug. Zwei Balken aus demselben Bestand können sich in ihrer Tragfähigkeit deutlich unterscheiden – je nachdem, wo im Stamm sie lagen, wie viele Äste sie durchziehen und wie gerade die Fasern verlaufen. Ein Statiker kann mit dieser Streuung aber nicht rechnen. Er braucht eine verlässliche Untergrenze: einen Wert, den jedes Stück dieser Klasse mindestens erreicht.
Genau das leistet die Sortierung. Sie teilt den Einschnitt in Gruppen mit garantierten Mindesteigenschaften auf – und macht aus einem natürlich schwankenden Material einen berechenbaren Baustoff. Für Sie als Bauherr hat das zwei Konsequenzen: Erstens dürfen tragende Bauteile in Deutschland nur mit sortiertem und entsprechend gekennzeichnetem Holz ausgeführt werden. Zweitens zahlen Sie für höhere Klassen mehr – weil weniger Stücke des Einschnitts sie erreichen. Wer überall C30 bestellt, wo C24 genügt, verschenkt Geld ohne jeden Gegenwert.

Was C24 bedeutet – und was nicht
Die Bezeichnung ist einfacher, als sie aussieht. Das C kommt vom englischen coniferous und steht für Nadelholz; bei Laubholz beginnen die Klassen entsprechend mit D (für deciduous), also D18, D24, D30 und so weiter. Die Zahl gibt die charakteristische Biegefestigkeit in Newton pro Quadratmillimeter an. C24 bedeutet also: Dieses Holz hält im Biegeversuch rechnerisch mindestens 24 N/mm² aus, C30 entsprechend 30 N/mm². Mit der Festigkeit steigen auch die zugehörigen Kennwerte für Steifigkeit und Rohdichte, die in die Bemessung einfließen.
Wichtig ist, was C24 nicht aussagt. Es ist keine Aussage über die Optik: Ein C24-Balken darf kräftige Äste haben, Trockenrisse zeigen und farblich uneinheitlich sein – solange die zulässigen Grenzwerte eingehalten sind. Es ist auch keine Aussage über die Holzfeuchte, die Oberfläche oder die Maßhaltigkeit. Ob ein Holz gehobelt, technisch getrocknet oder sägerau ist, steht auf einem anderen Blatt – nachzulesen in unserem Ratgeber zu KVH, BSH und Massivholz. Und es ist keine Garantie für Dauerhaftigkeit gegen Feuchte: Auch das beste C24 verrottet, wenn es falsch eingebaut wird.
Wonach sortiert wird: die Merkmale am Holz
Die visuelle Sortierung nach DIN 4074-1 arbeitet mit einem festen Katalog von Merkmalen. Jedes davon wird am einzelnen Stück beurteilt, und das schlechteste Merkmal bestimmt die Klasse – ein einziger zu großer Ast reicht, um einen sonst tadellosen Balken von S13 auf S10 zu setzen. Diese Merkmale zählen:
- Äste: das wichtigste Kriterium – bewertet wird der Astdurchmesser im Verhältnis zur Querschnittsseite, nicht die bloße Anzahl.
- Faserneigung: Verlaufen die Fasern schräg zur Längsachse (Drehwuchs), sinkt die Tragfähigkeit spürbar.
- Jahrringbreite: Eng gewachsenes Holz ist in der Regel dichter und fester als sehr breitringiges.
- Risse: Schwind- und Trocknungsrisse sind bis zu bestimmten Tiefen zulässig, durchgehende Risse nicht.
- Baumkante: die unbesäumte Kante mit Rest der Stammrundung – begrenzt, weil sie den tragenden Querschnitt verkleinert.
- Krümmung und Verdrehung: Längskrümmung, Verdrehung und Verwerfung werden gemessen und begrenzt.
- Verfärbungen, Fäule, Insektenfraß: Bläue ist rein optisch und meist unkritisch, Fäule und Befall führen zum Ausschluss.
💡 Unser Tipp: Erschrecken Sie nicht über Risse in einem frisch gelieferten Balken. Trocknungsrisse in Längsrichtung sind bei Vollholz normal und beeinträchtigen die Tragfähigkeit kaum – kritisch sind nur Risse quer zur Faser sowie Risse, die über die zulässige Tiefe hinausgehen. Im Zweifel: Foto machen und uns fragen, bevor Sie das Holz verbauen.
Visuell oder maschinell sortiert?
Beide Wege führen zur selben Festigkeitsklasse, sie kommen nur unterschiedlich dorthin. Bei der visuellen Sortierung beurteilt ein geschulter Sortierer jedes Stück nach den oben genannten Merkmalen – ein Verfahren, das sich über Jahrzehnte bewährt hat und gerade bei kleineren, wechselnden Losen flexibel bleibt. Weil dabei vom sichtbaren Erscheinungsbild auf die Festigkeit geschlossen wird, bleibt eine gewisse Sicherheitsreserve eingebaut: Manches Stück könnte rechnerisch mehr, wird aber vorsichtiger eingestuft.
Die maschinelle Sortierung misst stattdessen physikalische Größen – etwa die Durchbiegung unter definierter Last, die Eigenschwingung des Holzes oder seine Dichteverteilung – und leitet daraus den Elastizitätsmodul ab. Solche Klassen tragen ein vorangestelltes „M“, also MS10 oder MS13. Der Vorteil liegt in der Ausbeute: Weil genauer gemessen statt geschätzt wird, landen mehr Stücke in der Klasse, die sie tatsächlich verdienen. Für Ihr Bauvorhaben macht das keinen Unterschied – ein C24 ist ein C24, unabhängig vom Sortierverfahren.

Güteklassen: wenn die Optik entscheidet
Sobald Holz nicht tragen, sondern gut aussehen soll – Fassadenprofile, Innenverkleidungen, Dielen, Sichtschalung –, hilft die Festigkeitsklasse nicht weiter. Hier greift die Sortierung nach dem Aussehen nach DIN EN 1611-1. Deren Klassen tragen ein „G“ für Güte, eine Ziffer für die Anzahl der bewerteten Seiten und eine zweite Ziffer für die Qualitätsstufe: G4-0 ist rundum bewertet und nahezu astrein, G4-3 deutlich lebhafter. Im Handel begegnen Ihnen daneben oft die vereinfachten Bezeichnungen A, B und C oder Bezeichnungen wie „AB-Sortierung“.
Bei Konstruktionsvollholz gibt es zusätzlich die Unterscheidung nach dem späteren Einbauort: KVH-Si ist für Sichtbereiche gedacht und optisch strenger sortiert, KVH-NSi für nicht sichtbare Bauteile. Beide erfüllen dieselbe Festigkeitsklasse – der Unterschied liegt allein im Erscheinungsbild und im Preis.
| Frage | Festigkeitssortierung | Optische Sortierung (Güte) |
|---|---|---|
| Wofür? | Tragende Bauteile | Sichtbare, nicht tragende Flächen |
| Bezeichnung | S7/S10/S13 bzw. C16/C24/C30 | G2-0 bis G4-4, oft auch A/B/C |
| Beurteilt wird | Tragfähigkeit | Erscheinungsbild: Äste, Harzgallen, Farbe |
| Typisches Produkt | Kantholz, KVH, Sparren, BSH | Fassadenprofile, Hobelware, Dielen |
Welche Klasse brauchen Sie wofür?
In der Praxis fällt die Entscheidung fast immer auf C24 – und das aus gutem Grund: Diese Klasse deckt den ganz überwiegenden Teil des Wohnungs- und Nebenbaus ab, ist zuverlässig verfügbar und im Preis vernünftig. Höher wird es nur dort interessant, wo Spannweiten oder Lasten es erzwingen; niedriger dort, wo ohnehin niemand hinsieht und die Statik keine Rolle spielt. Diese Zuordnung hat sich bewährt:
- Dachstuhl, Sparren, Pfetten: C24 – Standard, meist als KVH, bei Sichtdachstühlen zusätzlich in Si-Qualität.
- Carport, Pergola, Gartenhaus: C24 für Stützen und Sparren; entscheidend ist hier zusätzlich der konstruktive Holzschutz.
- Dachlattung, Konterlattung, Schalung: genügt in der Regel eine niedrigere Klasse – hier zählt die Wirtschaftlichkeit.
- Weit spannende Träger und Unterzüge: C30 oder gleich Brettschichtholz, das aus sortierten Lamellen aufgebaut ist.
- Fassade, Innenverkleidung, Dielen: keine Festigkeitsklasse nötig – hier entscheidet die Güteklasse über das Ergebnis.
Verbindlich ist am Ende immer die Statik: Wenn Ihr Planer C24 vorgibt, darf es kein C16 sein – auch nicht „nur an dieser einen Stelle“. Umgekehrt bringt es nichts, freiwillig aufzurüsten. Sagen Sie uns, was gebaut wird, und wir stellen Ihnen die passenden Klassen und Querschnitte zusammen.
Woran Sie die Klasse am Holz erkennen
Tragendes Bauholz muss nach DIN EN 14081-1 gekennzeichnet sein. Sie finden die Angaben als Stempel auf dem Holz selbst oder als Etikett am Bund – typischerweise mit CE-Zeichen, Festigkeitsklasse, Holzart, Sortierverfahren und einer Nummer, über die sich der Herstellbetrieb zurückverfolgen lässt. Dazu kommen die Angaben auf Lieferschein und Rechnung. Bewahren Sie diese Unterlagen auf: Bei einer Bauabnahme oder im Gewährleistungsfall ist der Nachweis, welches Holz verbaut wurde, Gold wert.
Ein Detail, das immer wieder für Rückfragen sorgt: Die Querschnittsmaße beziehen sich auf eine Holzfeuchte von 20 % – das sogenannte Nennmaß. Trockeneres Holz misst deshalb etwas weniger, ohne dass ein Mangel vorliegt. Warum die Holzfeuchte auch sonst über Erfolg oder Ärger entscheidet, haben wir in unserem Ratgeber Holz richtig trocknen und lagern ausführlich beschrieben.
Sortiert im eigenen Sägewerk
Sortieren heißt bei uns: hinsehen. Das Rundholz kommt aus den Wäldern rund um Viechtach ins Werk, wird vermessen und eingeschnitten, und jedes Stück Schnittholz durchläuft die Sortierung, bevor es auf den Stapel geht. Weil wir vom Stamm bis zum fertigen Balken alles selbst in der Hand haben, wissen wir, woher ein Holz kommt und was es kann – und können Ihnen ehrlich sagen, wann eine höhere Klasse sinnvoll ist und wann sie nur teurer wäre. Welche Eigenschaften die einzelnen Holzarten mitbringen, lesen Sie in unserem Vergleich von Fichte, Tanne, Kiefer und Strobe.
Verarbeitet wird ausschließlich Holz aus der Region – Fichte, Tanne, Kiefer und Weymouthskiefer aus nachhaltiger Forstwirtschaft im Bayerischen Wald. Den Strom für unsere Anlagen erzeugen wir aus Wasser- und Sonnenenergie. Seit 1925 und heute in vierter Generation gilt dabei derselbe Grundsatz: Jeder Stamm bekommt die Verwendung, die er verdient.
Fazit
Sortierklassen sind kein Papierkram, sondern die Übersetzung eines gewachsenen Rohstoffs in verlässliche Zahlen. S10 und C24 beschreiben denselben Standardfall aus zwei Blickwinkeln und decken die allermeisten Bauvorhaben ab. Wer zusätzlich weiß, dass die Festigkeitsklasse nichts über die Optik aussagt, kauft gezielter ein: Güteklasse für sichtbare Flächen, Festigkeitsklasse für alles, was trägt. Und wenn Sie unsicher sind, welche Kombination Ihr Projekt braucht – fragen Sie lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Wir schauen uns Ihre Liste gern an.
Häufige Fragen zu Sortierklassen bei Bauholz
Was bedeutet C24 bei Holz?
C24 ist eine Festigkeitsklasse für Nadelholz. Das „C“ steht für Nadelholz (engl. coniferous), die Zahl für die charakteristische Biegefestigkeit von 24 N/mm². C24 ist der Standard im Wohnungsbau und entspricht der visuellen Sortierklasse S10.
Was ist der Unterschied zwischen S10 und C24?
S10 ist das Ergebnis der Sortierung nach DIN 4074-1, C24 die daraus abgeleitete Festigkeitsklasse nach DIN EN 338, mit der die Statik rechnet. Beide beschreiben dasselbe Holz – deshalb steht auf Lieferscheinen häufig „S10 / C24″.
Ist C30 immer besser als C24?
Besser im Sinne von tragfähiger ja, sinnvoller nicht automatisch. C30 muss enger sortiert werden, ist dadurch seltener und teurer. Solange die Statik C24 vorsieht, bringt eine höhere Klasse keinen praktischen Vorteil – das Geld ist an anderer Stelle besser angelegt.
Darf C24-Holz Äste und Risse haben?
Ja. Die Festigkeitsklasse begrenzt Äste und Risse auf ein zulässiges Maß, verbietet sie aber nicht. Trocknungsrisse in Längsrichtung sind bei Vollholz normal. Wer eine astarme, ruhige Optik möchte, muss zusätzlich auf die Güteklasse oder auf KVH in Sichtqualität achten.
Brauche ich für ein Gartenhaus sortiertes Bauholz?
Für tragende Bauteile ist sortiertes und gekennzeichnetes Holz vorgeschrieben – auch bei kleinen Bauwerken. Für Lattung, Schalung und andere untergeordnete Teile reicht meist eine niedrigere Klasse. Was in Ihrem Fall gilt, klären wir gern gemeinsam.
Unsicher, welche Klasse Ihr Projekt braucht?
Schicken Sie uns Ihre Holzliste oder den Statik-Auszug – wir stellen Klassen und Querschnitte passend zusammen. Familienbetrieb seit 1925 im Bayerischen Wald.
