Aktuelles

Fichte, Tanne, Kiefer oder Strobe: Welche Holzart für welches Projekt?

Holz-Ratgeber · Sägewerk Lettl, Viechtach · Lesezeit ca. 7 Minuten

Wer Holz kauft oder Holzbau plant, steht früher oder später vor dem Holzarten-Vergleich: Fichte oder Kiefer? Weißtanne oder Strobe? Die Unterschiede sind größer, als man denkt – und sie entscheiden darüber, ob das Holz nach zehn Jahren noch gut aussieht, ob es sich für den Außenbereich eignet und wie leicht es sich verarbeiten lässt. Im Sägewerk Lettl verarbeiten wir seit 1925 alle vier heimischen Nadelholzarten aus dem Bayerischen Wald. In diesem Ratgeber erklären wir Ihnen, worin sie sich wirklich unterscheiden – und welche Holzart zu Ihrem Vorhaben passt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fichte ist das universelle Nadelholz im Bayerischen Wald – leicht, fest und gut für KVH, Dachstühle und Holzbau.
  • Weißtanne ist harzfrei und maserungsstabil – ideal für Innenausbau, Fensterrahmen und überall dort, wo Kleben und Lackieren nötig ist.
  • Kiefer ist harzreich und dauerhafter – die bessere Wahl für Außenbereiche, Terrassendielen und Holzbauten mit Witterungskontakt.
  • Weymouthskiefer (Strobe) ist sehr leicht und fein – perfekt für Möbel, Innenvertäfelung und Feinarbeiten, weniger für tragende Konstruktionen.
  • Alle vier Holzarten kommen bei uns aus nachhaltiger, regionaler Forstwirtschaft im Bayerischen Wald – kurze Wege, rückverfolgbare Herkunft.

Die vier Holzarten auf einen Blick

Alle vier hier vorgestellten Holzarten sind Nadelhölzer und heimisch im Bayerischen Wald. Sie unterscheiden sich vor allem in drei Punkten: Gewicht und Härte, Harzgehalt und damit ihre Verarbeitbarkeit sowie ihre Dauerhaftigkeit gegenüber Feuchtigkeit und Witterung. Daraus ergibt sich, welche Holzart wofür das bessere Werkzeug ist.

Eigenschaft Fichte Weißtanne Kiefer Strobe
Rohdichte 430–470 kg/m³ 450–500 kg/m³ 500–550 kg/m³ 380–420 kg/m³
Harzgehalt mittel (Harzgallen) sehr gering hoch gering
Farbe frisch gelblich-weiß weiß bis hellgrau gelblich-rötlich cremeweiß
Dauerhaftigkeit Klasse 4 (gering) Klasse 4 (gering) Klasse 3 (mittel) Klasse 3–4
Haupteinsatz Konstruktion, KVH, BSH Innenausbau, Fenster Außenbau, Terrasse Möbel, Schnitzerei
Die vier heimischen Nadelhölzer im Vergleich. (Dauerhaftigkeitsklassen nach EN 350; Klasse 1 = sehr dauerhaft, Klasse 5 = nicht dauerhaft.)

Fichte – das Universaltalent unter den Nadelhölzern

Die Gemeine Fichte (Picea abies) ist die häufigste Baumart im Bayerischen Wald und die Grundlage unseres Sägewerkbetriebs. Mit einer Rohdichte um 430–470 kg/m³ ist sie leicht, dabei aber überraschend fest – ihr Verhältnis von Tragfähigkeit zu Gewicht übertrifft das vieler anderer Hölzer. Gelblich-weißes, feinmaseriges Holz, das sich leicht sägen, hobeln und trocknen lässt. Im Holzbau ist die Fichte aus gutem Grund die meisteingesetzte Holzart für Konstruktionsvollholz (KVH), Brettschichtholz (BSH) und Dachstühle.

Ein charakteristisches Merkmal der Fichte sind die Harzgallen – kleine eingeschlossene Harztaschen, die im Querschnitt sichtbar werden. Im Holzbau stören sie nicht, beim Lackieren kann es aber zu Problemen kommen. Für alles, was innen liegt, technisch getrocknet und verdeckt oder sichtbar verbaut wird, ist Fichte die wirtschaftlichste und zuverlässigste Wahl. Im Außenbereich ohne Schutz dagegen verabschiedet sie sich schnell: Die Dauerhaftigkeitsklasse 4 zeigt, dass sie ohne Witterungsschutz oder konstruktive Maßnahmen (Überstand, freie Durchlüftung) draußen nicht langlebig ist.

Eine besondere Spielart ist das Mondphasenholz aus unserem Sortiment: Fichte, die im Rhythmus der Mondphasen geschlagen wird und nach alter Überlieferung besonders dauerhaft und ruhig im Schwinden sein soll – ein Thema, das uns im Bayerischen Wald seit Generationen begleitet.

Weißtanne – harzfrei und präzise für den Innenausbau

Die Weißtanne (Abies alba) wächst oft zusammen mit der Fichte und wird im Sägewerksjargon häufig gemeinsam mit ihr gehandelt. Äußerlich sind die Stämme für Laien kaum zu unterscheiden; das aufgesägte Holz verrät den Unterschied aber sofort: Tannenholz ist noch heller, fast weiß bis hellgrau, und – entscheidend – nahezu harzfrei. Genau darin liegt ihr Vorteil für alle Anwendungen, bei denen Verleimen, Lackieren oder Lasieren eine Rolle spielt.

Im Tischler- und Schreinerhandwerk ist die Tanne deshalb besonders beliebt: Sie lässt sich problemlos verleimen, nimmt Farben und Lacke gleichmäßig an und hat eine besonders gerade, ruhige Maserung ohne Harzgallen. Typische Einsatzbereiche sind Fensterrahmen, Innenverkleidungen, Treppen, Möbel und Fußböden. Für tragende Konstruktionen eignet sie sich ebenfalls gut – ihre statischen Werte liegen auf ähnlichem Niveau wie die der Fichte. Im Außenbereich ohne Schutz verhält sie sich allerdings ähnlich anfällig: Auch Tanne sollte draußen immer mit einem guten Holzschutz versehen oder konstruktiv trocken gehalten werden.

Gestapeltes Rundholz auf dem Lagerplatz des Sägewerk Lettl in Viechtach mit dramatischem Abendhimmel
Regionaler Rohstoff: Frisch eingekauftes Nadelrundholz aus dem Bayerischen Wald auf dem Lagerplatz in Viechtach – kurze Wege vom Wald ins Sägewerk.

Kiefer – der robuste Begleiter für den Außenbereich

Die Gemeine Kiefer (Pinus sylvestris), in Bayern auch Föhre genannt, unterscheidet sich von Fichte und Tanne auf den ersten Blick: Kiefernholz hat ein ausgeprägtes Kern- und Splintholz. Der Kern ist rötlich-gelbbraun und von Harz durchzogen, der Splint hell und weich. Diese harzreiche Kernzone macht Kiefernholz von Natur aus widerstandsfähiger gegen Pilzbefall und Feuchtigkeitseintrag als Fichte oder Tanne – und erklärt, warum Kiefer die erste Wahl ist, wenn Holz dem Wetter ausgesetzt wird.

Mit einer Rohdichte von rund 500–550 kg/m³ ist die Kiefer schwerer und etwas härter als die Fichte. Das macht sie einerseits etwas anspruchsvoller in der Verarbeitung, andererseits druckfester und abriebresistenter – ein Vorteil bei Terrassendielen oder Gartenmöbeln. Der höhere Harzgehalt ist für viele Anwendungen ein Plus, beim Lackieren jedoch manchmal ein Hindernis, wenn das Harz austritt. Typische Einsatzbereiche: Terrassendielen, Gartenzäune, Carports mit Bodenberührung, Pergolen, Holzbauten mit erhöhtem Witterungsschutz. Für tragende Konstruktionen (Dachstuhl, Ständerwerk) ist Kiefer gut geeignet; im Innenausbau wird sie meist von Fichte oder Tanne verdrängt, die sich leichter verarbeiten lassen.

Weymouthskiefer (Strobe) – leicht, fein und eine Besonderheit des Bayerischen Waldes

Die Weymouthskiefer (Pinus strobus), im Handel oft als Strobe bezeichnet, ist in Deutschland eher unbekannt – im Bayerischen Wald aber seit dem 18. Jahrhundert heimisch und eine Spezialität unseres Sägewerks. Was dieses Holz auszeichnet, spürt man buchstäblich beim ersten Anheben: Es ist mit 380–420 kg/m³ das leichteste der vier Nadelhölzer. Dazu kommt eine extrem feine, gleichmäßige Maserung, wenig Harz und eine cremeweiße bis leicht gelbliche Farbe.

Diese Eigenschaften machen Strobe zum bevorzugten Holz für alle Arbeiten, bei denen Leichtigkeit und präzise Verarbeitbarkeit zählen: Möbelbau, Innenverkleidungen, Profilleisten, Fensterrahmen, Schnitz- und Drechselarbeiten. Wer schon einmal ein Möbelstück aus Strobenholz gehalten hat, versteht die Faszination – das Holz liegt in der Hand wie Balsa, lässt sich aber sauber sägen, hobeln, schleifen und verleimen. Für außen oder stark belastete tragende Konstruktionen ist Strobe hingegen weniger geeignet: Für Witterung hat es keine Naturresistenz, und seine geringere Dichte bedeutet weniger Druckfestigkeit als Fichte oder Kiefer. Im richtigen Einsatz aber ist Strobe ein Holz, das Schreiner und Möbelbauer schätzen – und das Sie selten im Baumarkt finden werden.

Gestapeltes Nadelholz-Schnittholz im warmen Abendlicht im Sägewerk, Holzmaserung und natürliche Holzfarben sichtbar
Frisch gesägtes Schnittholz im Sägewerk: Holzart und Einschnitt entscheiden über Farbe, Maserung und Verwendungszweck.

Welche Holzart für welchen Einsatz?

Im Alltag ist die Entscheidung meist einfacher, als die vier Holzarten zunächst vermuten lassen: Für die meisten Holzbauprojekte im trocken-geschützten Bereich ist Fichte die wirtschaftlichste Wahl. Kiefer übernimmt, sobald Witterung ins Spiel kommt. Tanne glänzt dort, wo Harzfreiheit und saubere Oberfläche zählen. Und Strobe empfiehlt sich für alle, die etwas Leichtes und Feines für Innenarbeiten suchen. Hier eine kompakte Zuordnung:

Einsatz Empfehlung
Dachstuhl, Sparren, Konstruktionsholz innen Fichte
Sichtbare Holzkonstruktion (Carport, Pergola überdacht) Fichte/KVH
Fensterrahmen, Innenverkleidung, Lackierung Weißtanne
Terrasse, Zaun, Außenbau mit Witterungskontakt Kiefer (oder Lärche)
Möbel, Schnitzarbeiten, Innenvertäfelung Strobe
Schalung, Unterkonstruktion, günstige Verpackung Fichte sägerau
Praxisorientierte Zuordnung – die genaue Holzart hängt immer von Projekt, Einbaulage und Budget ab.

💡 Unser Tipp: Wenn Sie unsicher sind, welche Holzart zu Ihrem Projekt passt, fragen Sie beim Kauf. Im Sägewerk Lettl beraten wir Sie persönlich – welcher Einschnitt, welche Trocknung, welche Holzart für welchen Zweck. Das kostet nichts und spart im Zweifelsfall teure Nachbesserungen.

Warum regionaler Ursprung zählt

Nicht jede Fichte ist gleich, und nicht jedes Brett aus dem Holzhandel kommt aus dem Bayerischen Wald. Die Herkunft beeinflusst, wie das Holz gewachsen ist: Langsam gewachsene Fichten aus dem Mittelgebirge haben engere Jahresringe und sind in der Regel fester und ruhiger im Schwinden als schnell gewachsene Plantagenhölzer aus wärmeren Lagen. Im Sägewerk Lettl verarbeiten wir regionales Rundholz aus dem Bayerischen Wald – überwiegend aus nachhaltiger Forstwirtschaft mit kurzen Wegen.

Kurze Wege bedeuten auch: frisches Holz mit rückverfolgbarer Herkunft, niedrige Transportemissionen und eine ehrliche Ökobilanz. Den Strom für unsere Säge- und Trocknungsanlagen gewinnen wir aus Wasser- und Sonnenenergie – das ist uns seit Generationen wichtig. Seit 1925, mittlerweile in der vierten Generation, steht unser Betrieb in Viechtach für sorgsamen Umgang mit dem Rohstoff Holz. Wir wissen, was im Bayerischen Wald wächst – und wie man es so verarbeitet, dass am Ende Qualität rauskommt.

Fazit

Fichte, Weißtanne, Kiefer und Strobe – vier Holzarten, vier unterschiedliche Stärken. Für den Holzbau und Dachstuhl ist Fichte kaum zu schlagen; für den Außenbereich bringt Kiefer die nötige Robustheit mit; für Innenarbeiten mit Lackierung empfiehlt sich die harzfreie Tanne; und wer leichte, feine Holzarbeiten plant, wird mit der Weymouthskiefer glücklich. Entscheidend ist nicht nur die Holzart – sondern dass das Holz aus der richtigen Herkunft kommt, sauber getrocknet ist und zum jeweiligen Einsatzort passt. Dabei helfen wir Ihnen gern.

Häufige Fragen zu Holzarten

Was ist der Unterschied zwischen Fichte und Tanne?

Fichte und Weißtanne sind sich sehr ähnlich – beide leicht, gut zu verarbeiten, ähnlich fest. Der entscheidende Unterschied: Fichte hat Harzgallen (kleine Harztaschen), Tanne ist nahezu harzfrei. Deshalb wird Tanne bevorzugt, wenn Kleben oder Lackieren nötig ist – etwa bei Fenstern, Möbeln oder Innenverkleidungen. Für tragende Holzkonstruktionen ist beides gleich gut geeignet.

Welche Holzart ist am besten für die Terrasse geeignet?

Für eine Holzterrasse empfehlen wir in erster Linie Kiefer (mit Kernholzanteil), da sie durch ihren Harzgehalt dauerhafter gegen Feuchtigkeit ist als Fichte oder Tanne. Eine Alternative ist Lärche, die wir im Bayerischen Wald zwar seltener führen, die aber im Außenbereich noch langlebiger ist. Wichtig ist in jedem Fall ein guter Holzschutz oder konstruktive Maßnahmen: Terrassenbretter sollten mit Gefälle verlegt werden, damit Wasser ablaufen kann.

Was ist Weymouthskiefer (Strobe) und wo kann ich sie einsetzen?

Weymouthskiefer, auch Strobe genannt (Pinus strobus), ist eine aus Nordamerika stammende Kiefernart, die im Bayerischen Wald heute heimisch ist. Sie ist sehr leicht und hat eine besonders feine, gleichmäßige Maserung mit wenig Harz. Ideal für Möbelbau, Innenvertäfelung, Profilleisten und Schnitzarbeiten. Für Außenanwendungen oder schwer belastete Konstruktionen ist Strobe nicht geeignet.

Kann ich Fichte im Außenbereich verwenden?

Ja, aber mit Einschränkungen. Fichtenholz gehört zur Dauerhaftigkeitsklasse 4 und ist ohne Schutz nicht langlebig, wenn es direktem Wetter ausgesetzt ist. Für verdeckte oder überdachte Konstruktionen, für Carports unter Dach oder Fassadenlatten, die gut belüftet trocknen können, ist Fichte durchaus einsetzbar. Wichtig ist ein guter Holzschutz oder eine konstruktive Lösung, die Feuchtigkeit ableitet und das Holz trocken hält.

Woher weiß ich, ob das Holz gut getrocknet ist?

Gut getrocknetes Holz ist leicht (im Vergleich zu frischem Holz deutlich leichter), hat keine Risse am Stirnholz, riecht nicht mehr nach Feuchtigkeit und fühlt sich nicht kalt-feucht an. Technisch getrocknetes KVH oder BSH hat in der Regel einen aufgestempelten Feuchtigkeitswert. Im Zweifel messen Sie mit einem einfachen Holzfeuchtemessgerät – für tragendes Bauholz sollte der Wert unter 20 % liegen, für Innenholz idealerweise bei 12–15 %.

Holz aus dem Bayerischen Wald – persönlich beraten, regional gesägt

Ob Fichte, Tanne, Kiefer oder Strobe: Wir helfen Ihnen, die richtige Holzart für Ihr Projekt zu finden. Familienbetrieb seit 1925 in Viechtach.

Jetzt unverbindlich anfragen →