Der deutsche Markt für Sägerestholz steht im Spätsommer 2025 ganz im Zeichen der Pelletspreise. Während das Angebot an Hackschnitzeln und Spänen im August spürbar zurückgegangen ist, sorgt die starke Nachfrage nach Pellets und die Entwicklung der Verkaufspreise für Bewegung im gesamten Marktumfeld. Doch was bedeutet das für Waldbesitzer, Sägewerke, Produzenten und Abnehmer?
Rückgang bei Hackschnitzeln und Spänen
Im August war das Aufkommen von Hackschnitzeln und Sägespänen in Deutschland rückläufig. Zwei Hauptfaktoren prägen diese Entwicklung:
Ferienzeit: Viele Sägewerke drosseln ihre Produktion in den Sommermonaten.
Knappe Rundholzversorgung: Die Verfügbarkeit von frischem Rundholz ist begrenzt, was die Verarbeitungskapazitäten zusätzlich einschränkt.
Interessant ist, dass die Rückgänge regional stärker ausfallen als noch vor wenigen Wochen erwartet. Das verdeutlicht, wie sensibel die Märkte reagieren, wenn es um Angebot und Nachfrage bei Sägerestholz geht.
Pellets als entscheidender Treiber
Die weitere Marktentwicklung hängt maßgeblich von den Pelletspreisen ab. Viele Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Produktion angesichts steigender Preise zunehmen wird. Im August und September lag der Preis für lose Ware an Wiederverkäufer bei rund 240 €/t ab Werk. Für das vierte Quartal werden B2B-Verkaufspreise von nahe 300 €/t prognostiziert.
Hier stehen die Produzenten vor einem strategischen Dilemma:
Szenario 1: Produktionsausweitung
Höhere Pelletspreise könnten Anreiz sein, die Produktion zu steigern. Das würde den Verbrauch an Sägerestholz – insbesondere Spänen und Hackschnitzeln – ankurbeln.
Szenario 2: Angebotsknappheit
Einige Produzenten könnten bewusst darauf verzichten, ihr Angebot stark auszudehnen. Mit einem knappen Pelletangebot ließe sich der Aufwärtstrend der Verkaufspreise stützen.
Die Entscheidung, welches Szenario überwiegt, wird darüber bestimmen, wie stark die Nachfrage nach Sägerestholz in den kommenden Monaten ausfällt.
Hackschnitzel im Fokus
Besonders spannend ist die Rolle der Hackschnitzel. Sollten die Pelletwerke ihre Produktion tatsächlich hochfahren, steigt der Bedarf an Hackschnitzeln erheblich. Bleibt das Produktionswachstum jedoch begrenzt, wird der Rohstoffbedarf weiterhin größtenteils über Sägespäne gedeckt.
Die Papier- und Zellstoffindustrie verfolgt diese Entwicklung mit großem Interesse. Um ihre Versorgung zu sichern, bieten einzelne Abnehmer den Sägewerken bereits Zuschläge für Mehrmengen an. Allerdings haben diese Boni bislang keinen Einfluss auf das Preisniveau.
Im Juli lagen die Preise für Hackschnitzel in Süddeutschland bei 120 bis 130 €/t atro, in Norddeutschland zwischen 125 und 135 €/t atro. An diesen Werten hat sich bislang wenig verändert.
Preisgleichheit zwischen Spänen und Hackschnitzeln
Eine bemerkenswerte Entwicklung zeigt sich bei den Sägespänen. In Monatsverträgen sind deutliche Preiserhöhungen erkennbar. Am oberen Ende der Spanne ist bereits eine Preisgleichheit mit Hackschnitzeln erreicht. Dieser Trend dürfte sich im September und Oktober fortsetzen.
Damit entsteht eine neue Wettbewerbssituation: Während Hackschnitzel bislang oft als teurerer Rohstoff gehandelt wurden, schließen die Sägespäne preislich auf. Für Sägewerke bedeutet das, dass sich die Absatzchancen verbessern – gleichzeitig steigen aber auch die Anforderungen an eine verlässliche Rundholzversorgung.
Auswirkungen auf die Marktakteure
Sägewerke:
Sie stehen im Spannungsfeld zwischen knapper Rundholzversorgung und attraktiven Absatzmöglichkeiten für Restholz. Besonders Betriebe mit stabilen Rundholzbezügen können von der aktuellen Situation profitieren.
Pelletproduzenten:
Angesichts hoher Verkaufspreise müssen sie entscheiden, ob sie die Produktion ausweiten oder das Angebot künstlich knapp halten. Beides beeinflusst unmittelbar den Markt für Sägerestholz.
Papier- und Zellstoffindustrie:
Für sie ist die Sicherung der Hackschnitzelversorgung entscheidend. Zuschläge für Mehrmengen sind ein klares Signal, dass der Wettbewerb um den Rohstoff härter wird.
Waldbesitzer:
Indirekt profitieren sie, da steigende Nachfrage nach Sägerestholz langfristig auch die Rundholzpreise stabilisieren kann. Gleichzeitig bleibt der Druck hoch, Stammholz frühzeitig bereitzustellen, um Engpässe zu vermeiden.
Ausblick auf Herbst und Winter
Die nächsten Monate werden zeigen, wie sich das Zusammenspiel zwischen Pelletsmärkten und Sägerestholz entwickelt. Sollte die Nachfrage nach Pellets weiter steigen und die Produktion hochgefahren werden, ist mit einer spürbaren Verknappung bei Hackschnitzeln und Spänen zu rechnen. Dies würde die Preise zusätzlich unter Druck setzen.
Bleiben die Produzenten dagegen vorsichtig und setzen auf begrenzte Produktionssteigerungen, könnte sich der Markt stabilisieren – allerdings auf hohem Preisniveau.
Für September und Oktober zeichnet sich bereits ab, dass Sägespäne und Hackschnitzel preislich gleichauf liegen werden. Diese Entwicklung ist neu und könnte mittelfristig die gesamte Wertschöpfungskette beeinflussen.
Fazit
Der Pelletsmarkt bestimmt derzeit maßgeblich die Preise für Sägerestholz. Steigende Pelletspreise und ein begrenztes Angebot an Rundholz schaffen ein spannungsreiches Marktumfeld. Ob es zu einer Produktionsausweitung oder zu einer Angebotsverknappung kommt, entscheidet nicht nur über die Versorgungssicherheit, sondern auch über die Preisentwicklung in den kommenden Monaten.
Eines ist jedoch klar:
Für alle Beteiligten – von Sägewerken über Pelletproduzenten bis hin zur Papierindustrie – bleibt der Rohstoff Holz ein knapper und wertvoller Faktor. Die kommenden Wochen werden zeigen, in welche Richtung sich der Markt bewegt.

